Kategorie-Archiv: Lyrik

Auch Britney muss mal kotzen

Getrieben vom Beat der Zeit
Schreiten wir durch die Nächte
Losgelöst von Wirklichkeit
Als ob es uns was brächte

Suchend, fragend, ungewiss
Treppen, Plätze, Straßenbahn
Straßenlampen Vogelschiss
Treiben wir im Städtewahn

Kneipe rein und Kneipe raus
Geh mir nicht mehr auf den Leim
Kaum zu glauben, aus die Maus
Hit me baby one more time

Proberaumgemeinschaftsprojekt
Merci!

Ein ganz normaler Tag


Aufwachen
sextourismus
Gähnen
kindesmissbrauch
Zähne putzen
armut
Zur Schule gehen
vergewaltigungen
Lernen
leistungsgesellschaft
Mittagessen
hunger
Sinnvoll beschäftigen
folter und gewalt
Sport treiben
krieg
Mit Freunden treffen
rassismus
Abendessen
umweltzerstörung
Zähne putzen
misstrauen
Fernsehen
wegschauen
Schlafen
alles wie immer

(Juni 2006)

Nur ein Gedanke…

Am Tag und in der Nacht
Beherrscht von einem Gedanken
Mit grenzenloser Macht
Er bildet stetig neue Ranken

Jede Ablenkung sinnlos
Er schaut dir ins Gesicht
Und sagt dann bloß:
Du schaffst es nicht

Greiff nach der Klinge
Schneide in die Haut
Gib’s auf, das Geringe
Im Kopf tönt es laut

Mit unendlicher Gier
Durchdringt er dein Herz
Und verlangt von dir
Den erlösenden Schmerz

Felsgestein

Fels
Petra
Steinmädchen

nur ein Name
oder viele Namen

Fels wie Stein
ein Mädchen aus Felsgestein

die Jahre haben den Felsen ausgehöhlt
ruhig stand das Steinmädchen da
hat sich nicht gewehrt
sondern das Meer spielen lassen

doch jetzt
bröckelt der Felsen
der Stein zerbricht
die Namen verfliegen
im Wind
und das Meer trägt
die Reste nach und nach
fort

und wundert sich
wo es geblieben ist,
das Steinmädchen

Achterbahn

rauf runter immer schneller und schneller
im kreis, ganz tief und dann wieder ganz oben
lachen freuen toben
weinen verzweifeln schreien
ein Leben wie eine Achterbahn
nur eine Achterbahnfahrt ist irgendwann zu Ende
und der Wagen löst sich nicht
das Leben geht immer weiter und weiter
aber wer würde nicht gerne aussteigen aus diesem
hoch und runter
immer schneller und schneller
ohne Ausweg in Sicht…

Rausch

Sie wiegt sich im Takt mit der Musik, spürt den Rhythmus,
wie er ihren Körper ergreift, ihr jeden Willen entzieht.
Farben, alles voller Farben.
Bunt, wild, alles aufgelöst,
sie scheint zu fliegen, frei, unabhängig, losgelöst.
Rausch.

Und am nächsten Morgen der Aufprall.
Kalte, graue Welt.
Nur noch Kopfschmerzen und Übelkeit
erinnern an die vergangene Nacht.
Sie hat es wohl nicht mehr geschafft, sich umzuziehen,
aber wenigstens ist sie in ihrem eigenen Bett.

zudröhnen wegknallen

fliehen.

Mentalexperimentalismus

Sie sitzt auf einer Wiese,
zurückgelehnt, entspannt,
lacht, liebt.
Es ist genug Stoff da.

ruhe frieden

harmonie

Sie braucht immer mehr Tabletten.
Die Welt ist zu grau, zu kalt, unerträglich.
Sie braucht mehr Alkohol.

Rausch, nur noch Rausch.

Eskapismus

Die Eisprinzessin

Sie kann nicht mehr richtig atmen, sie bekommt keine Luft,  
ihr Hals zieht sich zusammen und der Raum ist plötzlich klein, so klein.
Sie droht zu ersticken.
Sie droht zu ersticken, an ihrer unterdrückten Wut.
Sie will schreien, aber sie kriegt keine Luft. Sie weiß nicht,
 was sie schreien soll, jeder Hilferuf ist vergeblich.
Weinen darf sie nicht, weinen will sie nicht. Nur keine Schwäche zeigen.
Stolz blickt sie aus dem Fenster, sie ist unnahbar.
Das hier hat nichts mit ihr zu tun.
Und sie wird kalt, kalt wie Eis.
Eine Eisprinzessin.
Unnahbar, unberechenbar, gefühlskalt.

Sie ist eingesperrt, der Raum ist so eng.
Keine Fluchtmöglichkeit, sie sitzen wie festgekettet am Tisch.
Sie ist hilflos, was soll sie noch sagen.
Sie versucht ihre Wut festzuhalten.
Sie, die Eisprinzessin.

Und die Wut wird zur Kälte.
Schneidenende
Verletzende
Kälte.

Die Eisprinzessin
ist nicht mehr in dieser Welt
ihr Welt ist weiß und kalt,
eine Eislandschaft.

Und wer ihr zu Nahe kommt
erfriert in der Kälte
die früher mal
Wut war.